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Zu viel Cupromaag gespritzt?
#1
Hallo zusammen

Da wir dieses Jahr zum ersten Mal auf unserem Balkon Tomaten pflanzen, sind wir diesbezüglich noch sehr unerfahren. Nachdem die Tomaten zunächst in der Wohnung und dann auch auf dem Balkon rasant gewachsen sind, haben wir bei einer Pflanze plötzlich eine weissliche Verfärbung der Blätter festgestellt (aber kein (falscher) Mehltau, soweit ich das beurteilen kann).

Wir dachten uns, dass es sich dabei möglicherweise um einen Pilz oder eine andere Krankheit handeln könnte. Im Fachmarkt wurde uns dann Cupromaag empfohlen, dabei handelt es sich um ein Kupferspritzmittel, welches in kleinen Säckchen a je 20g abgepackt ist.
http://www.maag-garden.ch/de/produkte/cupromaag.html
Leider war die Packungsbeilage sehr spärlich bis inexistent, weshalb wir uns, ohne uns zuvor im Netz schlau gemacht zu haben, daran machten, unsere Tomaten zu "vergiften". Da wir keine Spritzvorrichtung zur Hand hatten, haben wir etwa 10-15g des Pulvers in einem Liter Wasser aufgelöst und es mit einem kleinen Giesskännchen mit Zerstäubervorrichtung direkt über das Blattwerk der erkrankten und der angrenzenden Pflänzchen gegossen.

Erst im Nachhinein habe ich dann festgestellt, dass zu einem die Konzentratin zu hoch (für Tomaten müssten 20g Pulver in 4 Litern Wasser aufgelöst werden) und die Darreichungsform natürlich auch die falsche war; statt Begiessen wäre natürlich ein Bestäuben die angemessene Vorgehensweise gewesen. Nun sind die armen Pflänzchen gänzlich mit kupferfarbenen Flecken übersäht.

Ich frage mich nun, ob wir die Pflanzen durch den zu starken und falsch dargereichten Kupfereinsatz nachhaltig geschädigt/vergiftet haben und ob man die allenfalls noch spriessenden Früchte überhaupt noch essen sollte? Des Weiteren frage ich mich, ob ich die auf den Pflanzen haftende Kupferlösung irgendwie abwaschen oder einfach belassen sollte.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir darauf jemand eine fachkundige Antwort geben könnte.

Gruss

Phil25
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#2
(25.05.17, 19:08)Phil25 schrieb: Ich frage mich nun, ob wir die Pflanzen durch den zu starken und falsch dargereichten Kupfereinsatz nachhaltig geschädigt/vergiftet haben und ob man die allenfalls noch spriessenden Früchte überhaupt noch essen sollte?

Kupferoxichlorid (der Wirkstoff in deinem Curpromaag) ist gesundheits- und umweltgefährlich.
In Deutschland ist es nur für die (eingeschränkte) Verwendung bei Kernobst und bei Erdbeeren zugelassen. Deshalb exisitieren keine Angaben zu den Wartezeiten bei Tomaten.

Aber es existiert der Hinweis, dass diese Spritzungen nur vor der Blüte oder nach der Ernte ausgeführt werden dürfen! Das bedeutet, dass die Wartezeit beim Abbau entsprechend lang ist. Dabei wird von einem Anbau im Freiland ausgegangen, wo die Pflanzen Wind, Wetter und Sonne deutlich mehr ausgesetzt sind als auf dem Balkon.

Selbst wenn man dem Datenblatt des Herstellers glaubt (das deutlich harmloser klingt als das Datenblatt zu Kupferoxichlorid  :huh1:  ) gilt die Wartezeitangabe für den unbedenklichen Verzehr bei Tomaten nicht für deinen Fall.

Du hast mindestens 3-fach überdosiert und komplett falsch angewendet.

Da kann Dir echt niemand sagen, wie lange nun der Abbau des Wirkstoffes dauert bzw. ob er sich bei so hoher Dosierung überhaupt restlos abbauen wird unter deinen Anbaubedingungen.  :noidea:

Im Obstbau vernebelt man 25 g auf 100 m² Fläche!
Du hättest mit deiner Dosierung von 15 g als 60 m² einsprühen können.
Nun überlege mal auf wie kleinerer Fläche  Du diese Menge ausgebracht hast.
Das ist viel mehr als nur die 3-fache Überdosierung beim Auflösen.

Wenn ich dann noch lese:
" Der Kupferbelag bleibt besonders auf der Baumrinde bei der Winterspritzung sehr lange erhalten, so dass eine Wirkung über ca. 2 Wochen gewährleistet ist."


2 Wochen bei vorschriftsmäßiger Anwendung und richtiger Dosierung!

Dann würde ich keine Früchte von deiner Tomatenpflanze essen wollen.
Wir reden hier schließlich nicht von Zucker, den Du überdosiert hast ...

(25.05.17, 19:08)Phil25 schrieb: Des Weiteren frage ich mich, ob ich die auf den Pflanzen haftende Kupferlösung irgendwie abwaschen oder einfach belassen sollte.

Abwaschen auf keinen Fall! Das Mittel darf unter keinen Umständen ins Abwasser gelangen! Das ist verboten.

(25.05.17, 19:08)Phil25 schrieb: Ich würde mich sehr freuen, wenn mir darauf jemand eine fachkundige Antwort geben könnte.

Fachkundig ist - wie oben erwähnt - nicht  möglich, weil man nicht so einfach einen derartigen Anwendungsfehler und seine Folgen nachlesen kann.
Die Gefährlichkeitsprüfung des Stoffes wurde unter den korrekten Bedingungen durchgeführt und darauf beziehen sich dann auch die Angaben in der Fachliteratur.

Ich würde die Pflanzen sorgfältig verpacken (dabei Handschuhe tragen wegen der ätzenden Wirkung des Stoffes) und korrekt entsorgen.
Korrekt bedeutet: Sondermüll! Es ist nun mal ein Gefahrstoff.

In den Kompostmüll darf es nicht und auch nicht in den Hausmüll.
Wie die Regelung in der Schweiz ist weiß ich nicht. Ich gebe hier ausdrücklich keine Rechtsberatung zu diesem Thema!
Ich weise nur nachdrücklich auf die Gefahr für Umweltschäden hin und rate von "einfach irgendwie wegwerfen" dringend ab.

Nur mal so als Beispiel für die Gefahrtstoffsätze zu Kupferoxichlorid ein Link zum Datenblatt eines ähnlichen Produktes, das aber etwas anders dosiert ist als Cupromaag.
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#3
Noch gibt es in den Gartenmärkten eine gewisse Auswahl an Sorten, das wird aber bald ausverkauft sein. Ich würde mich beeilen. Was ist das überhaupt für ein "Fachmarkt"? Wirklich Ahnung dürften die dort nicht haben.
LG
Harald
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#4
Danke euch für die raschen Antworten.

Tatsächlich steht in Bezug auf die Tomaten ja nichts zum Zeitpunkt der Spritzung. Aber wenn die Wartezeit (Zeit zwischen der letzten Anwendung eines Pflanzenschutzmittels und der Ernte) drei Tage beträgt, muss dies ja bedeuten, dass man theoretisch drei Tage vor der Ernte noch spritzen könnte; dabei wären dann sogar schon gereifte Früchte von der Spritzung betroffen. Von daher mache ich mir eigentlich keine allzu grossen Sorgen, was die Gesundheit betrifft, muss das in die Frucht gelangende Gift ja ungleich höher dosiert sein, wenn 3 Tage vor Ernte doch gespritzt würde. Auch die durch eine Abwaschung verursachte Gewässerschädigung dürfte minim sein. Gerät etwa das an Obstbäumen verwendete Cupromaag ja durch Regen auch in den Boden und ins Grundwasser.

Aber ihr habt sicherlich Recht, man sollte wegen der paar Pflänzchen kein Risiko eingehen. Ich werde daher auf den Verzehr der Früchte von den gespritzten Pflanzen verzichten. Zumal wir ohnehin noch einige ungespritzte und gesunde Pflanzen haben.

Interessenshalber werde ich die das Cupromaag vertreibende Firma noch anfragen, was sie dazu sagen. Ich werde die Antwort dann hier zusammengefasst wiedergeben.
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#5
(26.05.17, 14:53)Phil25 schrieb: Aber wenn die Wartezeit (Zeit zwischen der letzten Anwendung eines Pflanzenschutzmittels und der Ernte) drei Tage beträgt, muss dies ja bedeuten, dass man theoretisch drei Tage vor der Ernte noch spritzen könnte; dabei wären dann sogar schon gereifte Früchte von der Spritzung betroffen. Von daher mache ich mir eigentlich keine allzu grossen Sorgen, was die Gesundheit betrifft, muss das in die Frucht gelangende Gift ja ungleich höher dosiert sein, wenn 3 Tage vor Ernte doch gespritzt würde. Auch die durch eine Abwaschung verursachte Gewässerschädigung dürfte minim sein. Gerät etwa das an Obstbäumen verwendete Cupromaag ja durch Regen auch in den Boden und ins Grundwasser.

Wenn Du Dich selbst so perfekt in der Materie auskennst, dass Du Dir solche Aussagen zutraust, warum fragst Du dann hier?
Scheinbar wolltest Du nur einfach deine Meinung bestätigt bekommen.  :rolleyes:
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#6
Auskennen tu ich mich nun wahrlich nicht, sonst hätte ich mich beim Spritzen hoffentlich geschickter angestellt. Nächstes Jahr werde ich es besser machen oder im Zweifel ganz auf das Gift verzichten; es war dieses Jahr wohl eine kleine Kurzschlussreaktion. :laugh:

Das mit der Wartezeit habe ich, nachdem ich die Definition des Begriffs nachgeschlagen habe, so hergeleitet, da ich nicht wüsste, wie es anders zu verstehen sein könnte. Aber natürlich lasse ich mich diesbezüglich auch gerne eines Besseren belehren. Im Übrigen werde ich eurem Rat folgen und auf den Verzehr der Tomaten verzichten und die Pflanzen im Sondermüll entsorgen, da ich natürlich kein Risiko eingehen möchte. Hätten hier alle geschrieben, dass sie den Verzehr aus diesen und jenen Gründen als bedenkenlos erachteten, so hätte mich dies zusammen mit einer entsprechenden Antwort des Herstellers dazu bewogen, die Tomaten doch zu essen.

Von daher lege ich durchaus grossen Wert auf eure Antworten und bin auch dankbar dafür.
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#7
werf die Dinger in den Hausmüll, auf das bischen Kupfer kommt es da nicht an. Das wird in der Müllverbrennung herausgenommen. Und lass das mit dem spritzen, du willst das ja noch essen, und Kupfer verschwindet auch nach einer Wartezeit nicht

schönen Gruß
ulrich
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#8
btw. Hast du ein Foto von dem weißen Belag gemacht? Dann könnte man auch mal abklären, was es wirklich war.
"Hexengebräu" ist hier im Forum recht beliebt, wirksam und ungefährlich: http://www.tomaten-forum.com/Thread-Hexe...-Anwendung
LG
Harald
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#9
Leider habe ich kein Foto, auf dem es gut zu erkennen ist. Aber ich schau, ob ich noch ein befallenes und noch unbehandeltes Zweiglein finde.

Das mit dem Hexengebräu hört sich gut an. Schade habe ich meinen Aktionismus nicht etwas zügeln und im Voraus nachfragen können. Aber Alter schützt vor Torheit nicht, wie man so schön sagt. Sollten die anderen Pflanzen auch erkranken, versuch ich es auf alle Fälle mit dem Hexengebräu!
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#10
Hallo zusammen

Ich möchte euch die Antwort der Firma Maag nicht vorenthalten, welcher ich die gleiche Anfrage wie hier im Forum zugeschickt habe:

"Sie können es so betrachten als hätten Sie mehrmals gespritzt, dann ist die Menge insgesamt ja auch um ein mehrfaches höher. Jetzt sind die Pflanzen auf jeden Fall gut gegen Sporen der gefürchteten Kraut- und Braunfäule der Tomate. Solange die Pflanze nicht eingeht ist das kein Problem und bis die ersten Früchte reifen ein Grossteil davon durch Blattwachstum verdünnt und vom Regen abgewaschen (falls im Freien). Kupfer-Produkte bilden nur einen Belag auf der Oberfläche. Im Fall bereits gebildeter Früchte lässt sich der Belag bei gründlichem Abwaschen und Trocknen mit einem Geschirrtuch quasi 100%ig entfernen."
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