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Schutz für Tomaten im Freiland
#1
Question 
Hallo liebe Leute,

wie mein Nick schon andeutet, bin ich als Schrebergärtner unterwegs (seit zwei Jahren). Bisher haben wir immer drei vier Tomatenpflanzen im Anlehngewächshaus kultiviert. Nun ist es aber so, daß ich die Zahl der Pflanzen erhöhen möchte und das Gewächshaus hierfür nicht den Platz bietet. Die handelsüblichen Folienhäuser finde ich nicht so pralle. Mein Gedanke ist nun, daß ich auch aufgrund eines Nässeproblems im Garten die Pflanzen in Pötte stellen möchte und mit so einem Hut versehe. Jedoch bin ich mir als Neuling nicht sicher, ob sowas funktionieren kann. Darf ich jede beliebige Pflanze eintopfen? Oder müssen es speziell Freilandtomaten sein, weil andere Sorten dann trotzdem der Braunfäule zum Opfer fallen.

Und was mich auch irritiert: Tomatenpflanzen sollen nicht Regen von oben bekommen. So ein Hut schützt zwar wohlmöglich gegen Regen der senkrecht von oben runterfällt. Aber meistens kommt die Nässe doch leicht von der Seite.

Helft doch bitte mal :-)

Viele Grüße
der Laubenpieper
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#2
Na wenn Du so lieb fragst ... smile

Du kannst jede beliebige Tomatensorte in Töpfe setzen, nur sollten sie groß genug sein, damit die Sache mit dem Gießen auch im Hochsommer funktioniert. Tomaten mögen gleichmäßige Feuchtigkeit, die Töpfe sollten auch bei großer Hitze nicht ganz durchtrocknen. Wenn Du 3 mal am Tag gießen kannst, kein Problem. Wenn Du dazu keine Zeit hast, dann nimm größere Töpfe.

Außerdem solltest Du dir für Stabtomaten (das sind die, die unendlich weiter nach oben wachsen und je nach Sorte auch mal 3 m hoch werden) etwas einfallen lassen, wie Du sie hochbinden kannst und vor dem Umfallen bei Wind schützt. In den Töpfen kannst Du Stäbe nicht tief genug stecken, damit diese stabil stehen. Also besser gleich ein Rankgitter, Drahtseile, was auch immer unter dem Tomatendach mit einplanen.

Ein Tomatendach ist eigentlich völlig ausreichend. Am besten bastelst Du ein Gestell, dessen Dach leicht schräg ist, so dass Wasser gut abfließen kann.

Wieso das Dach ausreicht? Weil es nicht darum geht, dass die Pflanzen niemals nicht ein paar Tropfen Wasser abbekommen. Es geht darum die großen Wassermassen abzuhalten, sei es nun ein Regenguss oder tagelanger Dauerregen. Es ist nämlich nicht so, dass Tomaten gegen Wasser allergisch wären. Aaaaaber wenn die Pflanzen, nicht schnell wieder trockene Blätter bekommen, dann kommt im Nu die Kraut- und Braunfäule und die rafft in wenigen Tagen die ganze Pflanze dahin.

Um die Besiedelung der Blätter mit der Braunfäule zu verhindern, versucht man diese so trocken wie möglich zu halten bzw. dafür zu sorgen, dass der Wind sie schnell wieder trocken pusten kann. Stichwort: nicht zu dicht pflanzen, je nach Kulturart entgeizen oder 1-triebig ziehen.

Wenn unter dem Dach also die äußeren Blätter von schrägem Regen mal nass werden, ist das kein Drama, weil es eben nur die äußeren sind. Dort pustet der Wind auch am besten und dort trocknet es auch am schnellsten wieder.

Wenn Du dir hingegen so ein Tomatendickicht vorstellst und da ist alles klatschnass, dann wäre das was ganz anderes. wink
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#3
Die Sorte ist aber auch entscheidend, was die Toleranz gegen Braunfäule angeht. Die Uni Göttingen hat sich damit mal wissenschaftlich beschäftigt, entsprechende Papers findet man im Internet. Da meine Liebste auch nicht möchte, dass ich den ganzen Garten mit unschönen Foliendächern zustelle, setze ich einen Teil meiner Tomaten auch immer dem totalen Freilandstress aus. Das geht aber wirklich oft schief. Die beste Sorte diesbezüglich ist nach meiner begrenzten Erfahrung die rote Murmel, eine rote Cocktailtomate. Die ist unverwüstlich und hält auch eine ganze Menge Regen aus und war auch ein Favorit bei den Göttingern.
Dann werden ja auch viele "braunfäuletolerante" Sorten (meist F1 Hybride) im Handel angeboten, das Körnchen zu einem Euro.... Da habe ich mal Fantasio F1 (nicht Phantasia, die gibt es auch)probiert, war aber alles in allem kein großer Unterschied zu "normal toleranten Pflanzen" und auch sonst keine so tolle Sorte. Die würde ich eher nicht empfehlen. Ebensowenig würde ich Folienhauben empfehlen, da kriegt die Pflanze im Spätsommer das Schwitzen durch Taunässe, da ist nicht viel gewonnen....
soweit meine begrenzten Tipps

Let´s make our tomatoes great again!
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#4
@Mayapersicum
Ich glaube er meinte sowas hier mit Tomatenhut:
http://www.tomatenhut.de/index.php/tomatenhut-in-aktion
Mir wäre das erstens zu teuer und ausserdem stehen die Pflanzen damit wirklich sehr ungeschützt, wenn man nicht immer rechtzeitig die Folien seitlich verwendet, und sie nach dem Regen schnell wieder hochklappt, denn die Lüftungsmöglichkeiten reichen meiner Meinung nach bei diesen "Minipseudogewächshäusern" nicht aus.
Dazu kommt noch, wenn ich das mit den Tomatenhüten richtig deute, dass die meisten Tomaten hoch werden, also höher als man die passenden Besenstiele bekommt.


Meine Tomaten wachsen seit 2 Jahren im nicht überdachten Freiland. Um die jeweils 20 Pflanzen 2015 und 2016. Die Braunfäule kam, aber sie ließ sich gut eindämmen durch regelmässige Entfernung der betroffenen Blätter. Zudem habe ich sie mit Schachtelhalmbrühe hochgezogen, was vielleicht auch etwas gebracht hat. Es kann also durchaus gutgehen. Hoffen wir, dass es dieses Jahr wieder klappt.
Die Sortenwahl macht sicher etwas aus. Manche Saatgutanbieter lassen eine spezielle Auswahl nach den Anbaukriterien zu. Viele Tomaten mögen vermutlich auch die höheren Temperaturen eines Gewächshauses lieber.
Aus meinen zwei Jahren Anbau empfehle ich jetzt einfach mal ein paar Sorten, die sowohl vom Geschmack, wie auch vom Ertrag her sehr gut waren.
Mexikanische Honigtomate
Pusa Ruby
Green Zebra
Zuckertraube
Rideau Sweet
Lady Bird
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#5
Sehe ich auch so. Tomaten sind keine Wüstenpflanzen die beim ersten Regentropfen eingehen. "Freilandtomaten" gibt es nicht, es gibt nur Sorten, die mit verschiedenen Wetterverhältnissen (Hitze/Kälte, feucht/trocken) besser/schlechter zurechtkommen. In ungünstigen Gegenden wird man auch die Pflanzen lockerer halten, dann trocknen sie besser ab.
LG
Harald
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#6
Es ist nun schon viele Jahre her, da hatte ich etwa die Hälfte meiner Freilandtomaten in gelochter Folie geschützt. Dazu habe ich extra eine Halterung am Pfahl entwickelt und einen Metallring unten als Abschluss, ein Stück über den Boden. Die geschützten Tomatenpflanzen waren die ersten Pflanzen, die wegen der Braunfäule ausfielen. Bei den ungeschützten Tomatenpflanzen habe ich später noch welche geerntet, als ich die geschützten Tomatenpflanzen bereits alle vom Beet beräumt waren. Durch Zufall habe ich mal ein Bild von 1999 gefunden, wo man die geschützten Tomaten auch sehen kann. Ich würde von solchen Folieschläuchen abraten. Das Kondenswasser, was sich in den Schläuchen bildet, begünstigt die Braunfäule noch. Tomatensorten die sich besser oder schlechter der Braunfäule widerstehen habe bis jetzt noch nicht ausgemacht. Die Unterschiede sind sicher nur unbedeutend. Vergangenes Jahr hatte ich bei meinen 182 Pflanzen nur vereinzelt Ausfälle wegen Braunfäule.

   

LG Chris
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#7
Hallo allerseits,

vielen Dank für Eure zahlreichen Antworten. Im Gegensatz zu meiner Frau bin ich weniger experimentierfreudig. Ich kläre liebe alles vorher ab, anstatt drauflos zu machen. Liegt vielleicht auch daran, daß ein Jahr verloren ist, wenn ich merke, dass das alles nicht so klappt, wie ich mir es erhoffe. Ich möchte Eure Hilfestellungen als Anlaß nehmen und einfach mal drauflos zu machen. Das heißt: wegen des Nässeproblems Pflanzen im Kübel ins Gewächshaus. Da passen neben 3-4 Stabtomaten auch einige kleine Buschtomaten. Und einige andere wandern in Feld .... Der Chiliertrag war im letzten Jahr da zwar weniger als mau, aber vielleicht gefällt es den Tomaten ja dennoch.

Vielen Dank nochmal
Wenn ich daran denke, werde ich dann mal im Herbst berichten - gibt ja noch ein paar mehr Anfänger auf der Welt :-)


Viele Grüße
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#8
" Liegt vielleicht auch daran, daß ein Jahr verloren ist, wenn ich merke, dass das alles nicht so klappt, wie ich mir es erhoffe."
Tomatenanbau ist eine Gleichung mit 1000 Variablen, es wird nie alles klappen. Wer keine Fehler macht, kann sich nicht weiterentwickeln. Wer alles erfragt, verlernt, eigene Antworten zu finden. Deswegen: Freue dich, wenn nicht alles klappt. Wir bauen Tomaten kommerziell an, 10.000 Pflanzen/ha, 50 - 100t Ertrag/ha, deshalb weiß ich, wovon ich spreche. Wenn ich lese, dass einige Pflanzen einfach so ins Gewächshaus gestellt werden, und "einfach drauflosgemacht" werden soll, überkommen mich doch leise Zweifel am Erfolg. LG Anna
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#9
Hallo Anna,
Du hast es so schön gesagt....wir haben es bei unseren Tomatenpflanzen nicht mit Maschinen zu tun, sondern mit lebender Materie und da spielt so viel mit rein...Wetter, Standort und Pflege.
Ich betreibe den Tomatenanbau als Hobby - muss also nicht davon leben und freue mich riesig über jede reife Tomate die mir meine Pflanzen schenken!
asmx
Die Tomate ist eine Frucht, die wohl unmittelbar aus dem Paradiese zu uns gekommen sein muß, und wenn sie nicht die hesperidischen Äpfel bedeutet, gewiß der Apfel gewesen ist, den Paris der Venus bot, sehr wahrscheinlich auch der, welchen die Schlange zur Verlockung der Eva anwendete.
Eugen van Vaerst
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#10
(19.01.17, 14:25)Chris Arndt schrieb: Durch Zufall habe ich mal ein Bild von 1999 gefunden, wo man die geschützten Tomaten auch sehen kann. Ich würde von solchen Folieschläuchen abraten. Das Kondenswasser, was sich in den Schläuchen bildet, begünstigt die Braunfäule noch. Tomatensorten die sich besser oder schlechter der Braunfäule widerstehen habe bis jetzt noch nicht ausgemacht. Die Unterschiede sind sicher nur unbedeutend. Vergangenes Jahr hatte ich bei meinen 182 Pflanzen nur vereinzelt Ausfälle wegen Braunfäule.
LG Chris
hi
ja 2016 gab es fast keine Braunfäule -
dafür weniger Fruchtstände wegen Dauerregen und Dauerhitze

Tomatenschläuche habe ich auch schon verwendet
sie sollten aber nur bei Regen oder Kälte über gestülpt werden
gleiches gilt beim Folienhaus
so viel Natur wie möglich

herzliche grüsse von tomatenkind
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