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Alternative Gartenmethoden
#1
EINLEITUNG (kann gerne übersprungen werden, zu den Methoden komme ich weiter unten beim übernächsten Beitrag)

Liebe Tomatenfreundinnen und -freunde

hier möchte ich alternative Methoden zur Bearbeitung eines Gartens, zum Pflanzen etc. vorstellen um eventuell zu einer Diskussion anzuregen, Erfahrungen auszutauschen, Anregungen zum Experimentieren zu geben und zu bekommen und um weiser zu werden Dance2 Angel2

Dabei geht es mir in erster Linie um Austausch - ich behaupte nicht, dass hier vorgestellte Methoden besser sind oder andere herkömmliche Methoden schlechter. Viele Wege führen nach Rom und auf jedem lernt man andere Leute kennen und macht andere Erfahrungen...Yes

Ich experimentiere sehr gern und habe die Erfahrung gemacht, dass beim Gärtnern viel mehr möglich ist, als ich je für möglich gehalten habe. Oft habe ich gelesen, dass dies und jenes nicht funktionieren würde und dass man sich unbedingt an gewisse Dinge halten sollte - ich habe mich nicht daran gehalten und an wenigen Pflanzen immer wieder das Eine oder Andere ausprobiert, was eigentlich "nicht funktioniert", habe damit aber oft trotzdem Erfolg gehabt.

Ich glaube schon lange nicht mehr alles, was in einem Gartenbuch steht - egal, wer es geschrieben hat. Die Zusammenhänge in der Natur sind derart vielfältig und komplex, dass ich nicht glaube, dass jemand alles ganz genau durchschaut. :no:

Oft zieht man aus seinen Erfahrungen bei einem Erfolg oder Misserfolg einer Kultur gewisse Schlüsse und merkt erst Jahre später, dass die damals gezogenen Schlüsse nicht richtig oder nicht vollständig richtig waren, weil man in der Zwischenzeit noch mehr Erfahrungen gemacht hat.

Genau das ist einer der Gründe, wieso ich gerne experimentiere - ich lerne dabei sehr viel.

Gruss

Dani
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#2
GRUNDGEDANKEN (kann gerne übersprungen werden, zu den Methoden komme ich weiter unten beim nächsten Beitrag)

Mir geht es beim Gärtnern darum, gesunde, schmackhafte Lebensmittel zu ernten, die mit einem möglichst kleinen Energieaufwand (Grauenergie) gewachsen sind.


Das heisst für mich konkret:

Es werden bevorzugt (oder nur) natürliche, kurz und langzeitlich absolut unschädliche Substanzen in den Garten (den Topf) eingebracht, die optimalerweise von der näheren Umgebung stammen und nicht über weite Strecken transportiert werden mussten.

Optimalerweise sorgt man für geschlossene Kreisläufe: Gemüse aus dem Garten wird gegessen, Rüstabfälle kompostiert und dem Garten wieder zurückgegeben, die eigenen Ausscheidungen - soweit frei von Medikamenten und künstlichen Hormonen - werden auch kompostiert (Stuhl) oder direkt bzw verdünnt im Garten oder Kompost für den Garten ausgebracht (Urin) - so geht nichts verloren - so muss auch von aussen kein Zusatzdünger zugeführt werden.

Bevor der Mensch auf der Erde war, funktionierte alles genau so: Die Tiere fressen Pflanzen und andere Tiere und die Exkremente fallen auf den Boden und geben dem Boden alles wieder zurück.

Aufbau eines optimalen Bodens und sinnvolle Wuchsgemeinschaften / Mischkultur sorgen für gesunde Pflanzen und für ein ausgewogenes Verhältnis von Schädlingen und Nützlingen

Eingreifen bei einem starken Befall tue ich so lange wie sinnvoll und möglich mechanisch (Sammeln von Schädlingen) und ich sammle natürliche Feinde der Schädlinge und bringe sie in die Nähe, damit sich wieder ein Gleichgewicht einstellt.

Ich habe nicht den Anspruch, 100 Prozent von dem, was ich sähe oder setze ernten zu müssen - die Tiere sollen auch etwas davon haben dürfen, solange es sich in gewissen Grenzen hält. Der Ohrwurm, der die Lauspopulation regelt, frisst halt ab und zu an einem weichen Blatt oder einer Blüte - die Weinbergschnecke, welche Schneckeneier der Nacktschnecken frisst, ist auch einem feinen Salat nicht abgeneigt...

Je weniger ich in die natürlichen Kreisläufe eingreifen muss, je weniger Aufwand ich beim Anlegen und Aufrechterhalten eines Gartens habe, desto mehr Zeit bleibt für andere Dinge - deshalb bevorzuge ich in der Regel arbeitsarme Methoden - solange sie zum Erfolg führen.

Gruss

Dani
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#3
MISCHKULTUR, THEORIE:

Die Mischkultur - das gezielte Pflanzen von verschiedenen Pflanzen auf engem Raum - ist sicher den meisten bekannt.

[Bild: p7100526e2e62.jpg]
hier wachsen Broccoli, Tomaten, Paprika, Koriander (blühend) und Kürbis wild durcheinander

Verschiedene Pflanzen haben verschiedene Ansprüche an Nährstoffe, Sonne, Feuchtigkeit, Wind und ziehen auch verschiedene Schädlinge und Nützlinge an.
Gewisse Pflanzen geben Nährstoffe an die Umgebung / den Boden ab, welche von andern Pflanzen aufgenommen werden können. Andere Pflanzen wachsen zusammen mit Wurzelpilzen, welche Nährstoffe und Wasser über weiter Strecken je nach Bedarf transportieren können. Wieder andere geben Stoffe an den Boden ab, die gewisse Schädlinge fernhalten kann.

Monokulturen nur einer Pflanzensorte laugen den Boden meist einseitig aus - es werden gezielt bestimmte Nährstoffe / Spurenelemente für das Wachstum benötigt und fehlen danach im Boden. Pflanzt man nun verschiedene Pflanzen mit ganz unterschiedlichem Bedarf an Nährstoffen und ganz unterschiedlichem Wurzelsystem (Pfahlwurzel, feines, oberflächliches Wurzelgeflecht, breites, tiefes Wurzelgeflecht etc) zusammen, wird der Boden gleichmässiger durchwurzelt, Wasser wird im Boden besser verteilt, Nährstoffe nicht einseitig entzogen und bei dichter Pflanzung bleibt die Feuchtigkeit besser und länger in der oberen Bodenschicht - auch bei Trockenheit.

Es soll Pflanzen geben, die in der Nähe gepflanzten andern Pflanzen zu besserem Geschmack verhelfen.

Gruss

Dani
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#4
MISCHKULTUR, PRAXIS

Tomaten, Brennesseln, Phacelia

[Bild: p71005413pucq.jpg]

Ich pflanze seit einigen Jahren immer Brennesseln zu den Tomaten. Ich meine festgestellt zu haben, dass der Geschmack der Tomaten durch die Brennesseln positiv beeinflusst wird - es sind aber jeweils derart viele Faktoren für den Geschmack verantwortlich, dass ich den besseren Geschmack nicht zwingend auf die Brennesseln schieben kann.
Brennesseln haben zudem ganz feine Wurzeln, welche die Erde offen und fein halten, sie sollen über die Wurzeln auch Nährstoffe abgeben. Ich schneide die Brennesseln oberirdisch regelmässig ab und mulche damit die Tomaten - durch die in den Brennesseln enthaltene Kieselsäure werden die Tomatenblätter widerstandsfähiger gegen Blattkrankheiten. Manchmal mache ich aus den Brennesseln auch Jauche.
Phacelia lockt durch ihre nektarreichen Blüten unzählige Bienen und Hummeln an, die - wenn sie schon im Tomatenhäuschen sind - auch noch die Tomaten bestäuben. Zudem ergibt Phacelia viel organisches Material, das ich kompostieren oder als Mulch verwenden kann. Der Boden wird auch gut beschattet, so dass die Verdunstungsrate kleiner ist.

Gruss

Dani
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#5
MISCHKULTUR, PRAXIS

Mais, Stangenbohnen und Gurke (oder Kürbis bzw Zucchini statt Gurke)
[Bild: p7100524b0e9a.jpg]

Das ist eine uralte Kombination, die vor allem in Mittel- und Südamerika von den Eingeborenen seit Tausenden von Jahren angewandt wird, wobei anstatt Gurken in der Regel Kürbisse verwendet werden. Die Bohnen geben Stickstoff ab, der für das Wachstum vom und vom Kürbis Mais wichtig ist, der Mais dienst als Rankhilfe für die Bohnen und der Kürbis beschattet den Boden, damit die Feuchtigkeit gut erhalten bleibt.

Auf obigem Photo hat es leider deutlich weniger Stangenbohnen als gewünscht und gepflanzt / gesetzt, ich habe Maulwurfsgrillen im Beet, die mir einige Bohnen streitig gemacht haben...

Dieses kleine Beet wurde übrigens mit einer mir sehr lieben, arbeitsarmen Methode auf mit Hahnenfuss, Gras und Klee bewachsenem Boden angelegt, auf die ich im nächsten Beitrag eingehen werde

Eine ähnliche Kombination sind Stangenbohnen und Zucchini:
[Bild: p7100525keidt.jpg]

Diese Kombination auf dem Photo wurde auf einem Hochbeet mit viel Pferdemist abgelegt - auf das Hochbeet werde ich in einem späteren Beitrag noch näher eingehen.

Wie man sieht, sind die Stangenbohnen schon über 2 Meter 50 hoch, was für unsern Ort (600 Meter Meereshöhe, viel Wind) und das bis jetzt hier recht kühle Wetter sehr hoch ist. Ich habe sie vor 2 Monaten (8. Mai) direkt in den Boden gesät.
Diese Stangenbohnen widerlegen auch den Hinweis einiger Gartenbücher, dass man Stangenbohnen nicht in sehr nährstoffhaltigen Boden mit frischem Mist pflanzen soll - das Hochbeet enthält sehr viel Pferdemist, den ich Ende März / Anfang April frisch (nicht kompostiert) eingefüllt habe.

Die Zucchini hat auch ein schier unglaubliches Wachstum, was aber auch auf die Kreuzung der Sorten, die sich offensichtlich letztes Jahr ergeben hat, zurückzuführen ist.
Höhe der Blätter: ca 1 Meter:
[Bild: p7100521tod50.jpg]

Durchmesser der Pflanze: ca 2 Meter 50 (gepflanzt am 8. Mai, also vor 2 Monaten):
[Bild: p7100520mbf70.jpg]

Noch ein Grössenvergleich, allerdings stehe ich am Boden und die Zucchini im Hochbeet etwa 30 cm höher:
[Bild: p7100522tuf8c.jpg]

Gruss

Dani
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#6
URBARMACHEN VON GRASLAND

Die einfachste mir bekannte Methode, um Grasland oder extrem verunkrautetes Land zu bepflanzen, möchte ich kurz vorstellen.

Das mit Gras, Hahnenfuss, Spitzwegerich, Klee und andern Pflanzen bewachsene Land wird mit einem wasserdurchlässigen, dicken Kompostvlies für einige Wochen bedeckt, damit die Pflanzen darunter aufgrund mangelnden Lichts geschwächt werden, das Gras wird NICHT geschnitten!

[Bild: p7100538v3umc.jpg]

Danach bedeckt man (nach Entfernen des Vlies) den Boden mit unbedrucktem Karton und bedeckt den Karton mit 10 - 20 cm Kompost und oder Erde. Das Ganze kann sofort bepflanzt werden, wie ich das hier vor 2 Monaten gemacht habe:
[Bild: p7100524b0e9a.jpg]

Alternativ zum Karton kann auch Schnitt von langem Gras (mit der Sense woanders gemäht, nicht zerkleinert) auf das UNGESCHNITTENE Gras gelegt werden. Das Gras darunter wird umgelegt und fast lichtdicht mit dem gemähten langen Gras bedeckt. Danach kommt auf das liegende, gemähte Gras eine Schicht Kompost und oder Erde oder - wie ich das hier gemacht habe, frischer Pferdemist:
[Bild: p7100535psu45.jpg]
Hier hatte ich Saatkartoffeln auf das umgelegte Gras gelegt, mit Grasschnitt und dann mit frischem Pferdemist bedeckt. Die Saatkartoffeln machen die Wurzeln in die Erde rein zwischen die Wurzeln des ursprünglichen Bewuchses, der wegen Lichmangel abstirbt und die Nährstoffe direkt freisetzt. Der Mist oberhalb der Saatkartoffel wird langsam zersetzt, schützt die Kartoffeln vor Licht und gibt mit der Zeit etwas Nährstoffe ab. Wenn das Kartoffelkraut eine gewiasse Höhe hat, kann mehr Pferdemist über das Kraut gegeben werden, so dass nur noch etwa 15-20 cm der Kartoffelpflanze oben rausschaut: Die Pflanze macht mehr und mehr Kartoffeln (zumindest in der Theorie, genau so mit frischem Pferdemist als Abdeckung mache ich es das erste Jahr...)

Im nächsten Jahr dann ist der Pferdemist vollständig kompostiert und hat die von der Kartoffel gezehrten Nährstoffe ersetzt - es kann direkt gepflanzt werden.

Gruss

Dani
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#7
Hallo Dani,

ökologisches Gärtnern. Tolle Einstellung, super Bilder und der Erfolg scheint Dir Recht zu geben.

Wir versuchen ebenfalls, ohne Chemie auszukommen. Unser Weg ist, im Herbst reichlich gut verrotteten als auch angerotteten Kompost in die Beete einzuarbeiten, umzugraben und mit fruchtfolgeneutralen Gründünger (Bienenfreund und Quirlmalve) anzusäen, welcher im Frühjahr mit eingefräst wird. Wir machen dies auch, um den Humusanteil in unserem Extrem-Lehmboden zu erhöhen. Noch vor Jahren war der Boden immer wieder knüppelhart und es machte keinen Spaß, diesen bearbeiten zu müssen.

Im Frühjahr, nach dem Fräsen, gibt es eine Impfung mit EM. (So ein 5-Liter Kanister EMA auf 200 Liter Wasser. Das wird dann mit der Gießkanne auf die Beetflächen verteilt.)

Beim Anpflanzen kommt reifer Kompost in die Pflanzlöcher. Ansonsten gibt es während der Wachstumsphase höchstens mal einen Schluck Brennesseljauche.

Wir ernten in der Regel ausreichend. Nicht unbedingt Massen an den Tomatenpflanzen - dafür haben wir aber Massen an Tomatenpflanzen. Und mit dem Geschmack sind wir sehr zufrieden.

Wenig Erfolg haben wir mit typisch deutschen Gartengemüse, also Karotten, Zwiebeln, Sellerie und Kohlgemüse. Kopfsalat und Endivien ist ok, Zucchinis sind sowieso wie Unkraut. Chilis wiederum wachsen im Kübel deutlich besser als im Freiland.

Mischkultur finde ich spannend, praktiziere diese Anbauform aber nicht.

Probleme hätte ich mit frischem Mist, egal welchen Ursprungs. Da möchte ich nicht dazwischen pflanzen müssen. Und unsere eigenen Ausscheidungen wandern in die Kanalisation.

LG
majabu
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#8
Wir haben es in unseren Händen wie wir unseren Garten gestalten möchten.Diese Freiheiten lebe ich je länger mehr aus und finde meinen Garten sehr tolerant! Frische Beete habe ich in den letzten Jahren mit Kartoffeln bekommen.Nur mit der Hacke etwas Gras abschlagen Kartoffel dort hin gelegt und dann mit Gras und Stroh abgedeckt.So verschwindet sogar der Giersch, welcher ich besonders im Frühling gerne in die Küche verwende.Nur immer den Küchenabfall darüber und den Grasschnit.So brauche ich nur zu ernten.Herrlich und so fein!!Trudi
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#9
Hallo Dani!
Alle Achtung für die tollen Ergebnisse deines Schaffens. Ich selbst verwirkliche ähnliche Ziele.
Ich habe mir von deinen Ratschlägen schon einige abgeschaut. Was die Sache mit der Verwertung
der eigenen Ausscheidungen anbetrifft vertrete ich voll deine Meinung. Manche haben da Bedenken.
Ich sehe da noch eher ein Restrisiko bei Kuh- und Pferdemist. Wer weiß da schon, ob da vielleicht
schädliche Medikamente Reste enthalten sind.
Was mache ich anders?
Mein Kompost besteht aus Gartenabfällen, ca 10% Holzasche mit hohen Holzkohleanteil und ca. 10%
Wurmhumus. Dünger für die Pflanzen brauche ich außer Kalk nichts.
Ich habe ein Gewächshaus Marke Eigenbau. Es besteht zum zum Großteil aus selbst gefertigten
Schwerbetonsteinen und PC- Paneelen. Die Steine speichern die Sonnenwärme. Ich kann in meinen
Gewächshaus bepflanzen, wenn es in einen gekauften Gewächshaus ohne Heizung wegen Frostgefahr noch nicht geht. Im Gewächshaus habe ich zwei Wasserrinnen, die über die Dachrinne gespeist werden.
In den Wasserrinnen stehen Eimer mit Gurken-, Tomaten- und Paprikapflanzen.
Von einen Tomatenhaus halte ich nichts. Die Braunfäule kommt dort auch hin.

Viele Grüße von Chris
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#10
Hallo Chris

in meinem selbstgebauten Tomatenhaus hatte ich noch nie Braunfäule - eine sehr gute Lüftung ist das allerwichtigste, so dass das Kondenswasser an den Pflanzen am Morgen schnell abtrocknen kann. Mein Tomatenhaus kann ich vorne sehr breit öffnen, hinten und auch links und rechts. Bei Bedarf kann ich Durchzug schaffen...

Gruss

Dani

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